Freitag-Newsletter verbindet Debatte über Rechtsruck mit Blick auf Berliner Ostmoderne
Ein Newsletter der Freitag-Redaktion greift den AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt auf und verweist auf das neue Interesse an DDR-Architektur. Im Mittelpunkt des Kulturteils stehen Berlin, Josef Kaiser und ein Buch von Engin Çatık.
Die Freitag-Redakteurin Alina Saha beschäftigt sich in der Ausgabe ihres Newsletters vom 14. September mit der politischen Entwicklung nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und mit Berliner Kulturthemen. Sie berichtet über internationale Aufmerksamkeit für den Wahlerfolg der AfD und verbindet dies mit einem Blick auf die öffentliche Diskussion über rechte Begriffe und Strategien.
Nach ihrer Darstellung wird der Erfolg der AfD auch im französischen Rassemblement National nicht uneingeschränkt begrüßt. Saha bewertet die Entwicklung der deutschen Partei als weitere Radikalisierung und stellt sie einem mäßigeren Auftreten anderer rechtsradikaler Parteien in Europa gegenüber. Dies ist die politische Einordnung der Autorin.
Sie verweist außerdem auf einen Auftritt des Politologen Christian Stecker in der Sendung Caren Miosga und kritisiert dort die Behandlung des Begriffs Ethnopluralismus. Ein Beitrag von Annika Brockschmidt soll im Freitag dessen Entstehung, Bedeutung und die mit seiner Verbreitung verbundenen Strategien erklären. Die verlinkte Analyse selbst ist nicht Gegenstand des Newsletters.
Im Kulturteil stellt Saha das neue Interesse an ostmoderner Architektur in Berlin heraus. Sie berichtet, auf ihrem morgendlichen Weg zur Arbeit an mehreren DDR-Bauten vorbeizukommen und deren architektonische Einordnung erst durch einen Beitrag kennengelernt zu haben. Als prägende Person nennt sie Josef Kaiser. Eine Berliner Ausstellung greift seine Arbeit und das erneute Interesse an der Ostmoderne auf.
Zu den mit Kaiser verbundenen Filmtheatern gehören das Kino International und das Kosmos an der Karl-Marx-Allee sowie das Lunik in Wilhelmsruh, das 1994 abgerissen wurde. Der Newsletter zitiert einen historischen Zusammenhang aus Januar 1965: Damals kursierte eine Postkarte, mit der Mitarbeiter des VEB Berliner Filmtheater Besuchern von fünf neu errichteten Kinos gute Wünsche für das Jahr und für den Aufbau der DDR übermittelten. Die abgebildeten Häuser waren überwiegend erst drei oder vier Jahre alt und gelten als frühe Beispiele der Ostmoderne.
Ein weiterer Kulturhinweis gilt dem Berliner Lehrer Engin Çatık. Sein mit der Politikredakteurin Ebru Taşdemir geschriebenes Buch „Ich gebe niemanden auf“ beschreibt anhand seiner persönlichen Geschichte die Bedeutung von Vertrauen und Wertschätzung für Jugendliche. Die verbreitete Bezeichnung als Schulretter von Berlin lehnt Çatık selbst ab.
Saha ergänzt diese Themen um eine persönliche Beobachtung zur Suche nach gebrauchten Möbeln in Berlin. Angebote mit den Bezeichnungen Vintage oder Mid Century seien nach ihrer Erfahrung häufig teuer. Für den Abend kündigt sie die Abholung eines pastellvioletten Regals an, das Platz für Bücher und Notizen schaffen soll.
V.Bellini--GdR