Nach Tanker-Beschuss: USA greifen Iran "massiv" an - Teheran droht mit Vergeltung
Nach dem Beschuss von drei Tankern im Bereich der Straße von Hormus hat die US-Armee nach eigenen Angaben neue "massive Angriffe" auf den Iran ausgeführt. Zudem setzte die Regierung in Washington am Dienstag die Ölsanktionen gegen den Iran wieder in Kraft. Washington macht für den Beschuss der Tanker die Führung in Teheran verantwortlich. Diese drohte mit Vergeltung für die neuen US-Angriffe.
"Die iranische Aggression war ungerechtfertigt und gefährlich und stellte einen eklatanten Verstoß gegen die Waffenruhe dar", hieß es in der Centcom-Erklärung mit Blick auf den Angriff auf drei Handelsschiffe vor der Küste Omans. Der Iran werde dafür "einen hohen Preis zahlen".
Das US-Finanzministerium widerrief zudem eine Lizenz, die nach der Grundsatzeinigung zwischen beiden Ländern auf eine Waffenruhe Mitte Juni den Handel mit iranischem Erdöl vorläufig erlaubt hatte. Diese Sanktionslockerung sei aber "vollständig leistungsabhängig", sagte ein US-Beamter. Der Iran werde die Vorteile nur bei "gutem Verhalten" sehen.
Die neuen US-Angriffe galten offenbar vor allem Zielen an der Straße von Hormus. Iranische Medien berichteten von mehreren heftigen Explosionen in der Region. Unter anderem seien sechs Explosionen auf der Insel Qeshm zu hören gewesen und sieben in der Stadt Sirik, berichtete der Sender Irib. Zudem habe es Explosionen in der wichtigen Hafenstadt Bandar Abbas gegeben.
Die Führung in Teheran drohte unmittelbar nach den neuen Angriffen mit Vergeltung. "Der Iran spricht eine ernste Warnung vor den Folgen des Vertragsbruchs durch die USA aus", hieß es in einer auf Telegram veröffentlichten Erklärung des Außenministeriums. Der Iran werde "entschlossene Maßnahmen ergreifen, um seine Interessen und seine nationale Sicherheit zu schützen".
Trotz der eigentlich geltenden Waffenruhe im Iran-Krieg waren in der Nacht zum Dienstag und am Dienstag im Bereich der Straße von Hormus drei Tanker kurz hintereinander angegriffen worden. Ein "unbekanntes Projektil" habe einen Öltanker getroffen und einen Brand ausgelöst, teilte die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) mit. Wenig später seien zwei weitere Schiffe angegriffen worden.
Eines der Schiffe war ein Flüssigerdgas-Tanker aus Katar. Auch der Golfstaat machte Teheran verantwortlich und bestellte aus Protest gegen den "inakzeptablen" Angriff den stellvertretenden iranischen Botschafter ein. Teheran sei aufgefordert worden, "unverzüglich alle Handlungen einzustellen, die die regionale Sicherheit untergraben", erklärte das Außenministerium in Doha.
Die jüngsten Angriffe schürten erneut die Sorge um die Sicherheit der Schifffahrt in der für den Welthandel bedeutenden Straße von Hormus. Im Zuge des von den USA und Israel begonnenen Iran-Krieges hatte Teheran die Meerenge de facto für die Schifffahrt geschlossen, Schiffe wurden beschossen. Die USA blockierten ihrerseits iranische Häfen.
Seit der Unterzeichnung eines Rahmenabkommens zwischen Washington und Teheran im vergangenen Monat hat der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus wieder begonnen. Die genauen Regelungen zu der Meerenge sind einer der Streitpunkte zwischen Washington und Teheran für ein endgültiges Ende des Krieges.
Der Iran beharrt darauf, dass es keine Rückkehr zu den Regelungen vor dem Krieg geben werde, als die Meerenge ungehindert und kostenlos passiert werden konnte. Zudem hat Teheran Schiffe davor gewarnt, Routen außerhalb eines bestimmten Korridors entlang seiner Küste zu nutzen. Der Oman hatte einen vorübergehenden Korridor entlang seiner Küste vorgeschlagen, was Teheran ablehnte.
Weiterer Streitpunkt bei den andauernden Verhandlungen für ein endgültiges Ende des Krieges sind die gegen den Iran verhängten Wirtschaftssanktionen, deren Aufhebung Teheran fordert. Im Zuge des Waffenruhe-Abkommens hatte Washington eine Ausnahmeregel für die eigentlich geltenden Ölsanktionen gegen Teheran erlassen. Demnach sollte der Iran zumindest bis zum 21. August wieder Rohöl und verwandte Produkte fördern sowie ins Ausland verkaufen und liefern können. Diese Ausnahmeregel nahm das US-Finanzministerium nun wieder zurück.
An den Märkten sorgten die neuen Spannungen zwischen Washington und Teheran sofort für Nervosität: Der Ölpreis stieg zu Handelsbeginn in Asien um mehr als 2,5 Prozent.
P.Caruso--GdR