"Sehr, sehr viel Druck": Maier nimmt Medaillenjagd auf
Mitfavorit statt Außenseiter - so ganz wohl fühlt sich Marco Maier in seiner neuen Rolle noch nicht. "Zu sagen, dass es keinen Druck macht, wäre eine Lüge", erzählte der Para Biathlet im SID-Gespräch: "Es macht sehr, sehr viel Druck sogar. Einfach weil man selber weiß, was man kann. Man hat zwar die Medaillen schon gewonnen und kann sagen, dass die einem nicht mehr weggenommen werden. Aber man möchte natürlich auch nicht schlechter werden, als man mal war."
2022 in Peking war Maier überraschend im Biathlon- und im Langlauf-Sprint zu Silber gelaufen, etablierte sich in der Folge unter anderem mit drei WM-Titeln in der Weltspitze. "Man kommt nicht mehr aus dem Nichts, kann sich verstecken und erst im Rennen kommen die Scheinwerfer. Jetzt steht man die ganze Zeit im Fokus", sagte der Allgäuer vor dem Biathlon-Sprint am Samstag (12.40 Uhr). Er wolle die Leistungen von 2022 "bestätigen oder gar eins draufsetzen und eine Goldmedaille gewinnen".
Daran war in der Saison 2016/17 nicht zu denken, als seine Karriere fast schon vorbei war. Maier, dem seit Geburt an drei Fingern der linken Hand die vorderen Glieder fehlen, erhielt plötzlich keine Starterlaubnis mehr. Bei der Klassifizierung sei behauptet worden, "dass ich unter gewissen Umständen die Hand an den Stock tapen und diesen Stock einsetzen könnte". Doch dies sei eben nicht wettkampftauglich möglich.
"Es war super schwer und eine harte Zeit", erzählte der damals frisch für den Sport nach Freiburg gezogene Maier rückblickend: "Dann kurz davor zu sein, alles zu verlieren, war ein harter Rückschlag für mich." Es habe "schon viel Überwindung und Kraft gekostet dranzubleiben, aber das Team hat mich einfach immer mitgezogen, wenn ich so ein Loch hatte", führte der 26-Jährige aus: "Manchmal zahlt es sich doch aus, wenn man weiterkämpft und dranbleibt."
L.Bernasconi--GdR